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05.11.2008 12:40:00
mica-Interview, musik:frauen, Pop / Rock

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mica-Interview mit Coshiva

Sie hat Hits auf Ö3, spielt Live-Konzerte im Jazz-Club und steuerte zum Erfolgsfilm „Spiele Leben“ den Titelsong bei. Den Spagat zwischen Kunst und Kommerz schafft derzeit niemand so spielend wie Daniela Wimmer, besser bekannt unter dem Namen Coshiva. Das folgende Interview führte Markus Deisenberger.

Gute Laune und Qualitäts-Pop

Wie war das gestrige Konzert?
Super. Nur bin ich unausgeschlafen. Sehr viele Besucher und auch wichtige Leute waren da.

Wer sind die wichtigen Leute?
Vom Musikfonds, vom Tour-Support, von den Medien... Dann waren auch die Ö3-Leute und Verantwortlichen von fm4 vor Ort.

Wie hast Du das geschafft?
Ich habe einfach persönlich sehr viele Menschen angeschrieben und ich habe eine Promotion-Firma engagiert, die für mich aktiv war. Schließlich hat Christoph Moser von Hoanzl noch seine Kontaktliste ausgeschöpft. Deshalb hat auch ATV gestern ganz spontan ein Portrait von mir gedreht.

In den meisten Fällen reicht es aber doch nicht, nur die Leute anzuschreiben. Wie ging das mit Ö3?
Ich hatte vor fünf Jahren schon viel Airplay auf Ö3. Und damals haben den Verantwortlichen dort meine Musik und auch die Interviews einfach gefallen. Daraufhin habe ich die Leute einfach zwei Mal pro Jahr kontaktiert und auf dem Laufenden gehalten.

Und das fünf Jahre lang?
Ja. Und jetzt habe ich sie darüber informiert, dass das neue Album fertig ist und ihnen Pressefotos geschickt, noch bevor es die Pressefirma überhaupt ausgesendet hat.

Und das ging einfach so?
Ja, klar. Die sind alle locker drauf.

Man hört eigentlich immer nur das Gegenteil...
Was aber überhaupt nicht stimmt.

Vielleicht liegt es ja an Deinem erfrischend unbekümmerten Zugang.
Damals, vor fünf Jahren, als ich von Salzburg nach Wien kam, waren einfach alle sehr, sehr nett zu mir.

Wieso hat es eigentlich zwischen erstem und zweitem Album so lange gedauert?
Ganz einfach: Ich musste erst einmal fertig studieren.

Was war das, wenn man fragen darf?
Multimedia-Art in Salzburg. Parallel zum ersten Album-Release hab ich meine Diplomarbeit über Marketing im Pop fertig geschrieben. Und kaum war meine Arbeit fertig, gab es plötzlich den Musikfonds...

Wo man aber doch aber aufgrund der vielen Einreichungen auch nicht so leicht rein kommt?
Klar. Hat ja bei mir auch erst mal gedauert.

Hat Dir bei den Einreichungen jemand geholfen?
Das erste Mal hab ich es alleine ausgefüllt und wollte einen professionellen Produzenten: Gregor Ugovsek, der schon Kylie Minogue produzierte. Vielleicht war sein Produzentenhonorar einfach zu hoch, keine Ahnung. Jedenfalls hat es nicht funktioniert. Dann habe ich Mario Rossori gefragt, ob er mir behilflich sein könnte.



Warum gingst Du nicht auf sein Label Pate Records?
Weil ich bei Christian Kolonovits unter Vertrag war. Das war ja eh alles recht in Ordnung, aber eigentlich hätte ich eine Promotion-Firma und jemanden, der mir beim Fertigstellen der Songs behilflich ist, gebraucht. Kolonovits´ Studio dagegen war ständig besetzt.

Letztlich bist Du aus dem Vertrag ausgestiegen.
Genau, nur teilweise blieben die Verlagsrechte noch dort, sind aber jetzt im Oktober wieder zurück gefallen.

Warum hast Du überhaupt Verlagsrechte übertragen?
Gute Frage. Mir hat damals jemand gesagt, das wäre so üblich, wenn man in Österreich einen Label-Vertrag unterschreibt.

Da bist Du aber nicht besonders gut beraten worden.
Ich dachte einfach, Christian Kolonovits legt mir eh keinen Stein in den Weg.

Aber kassiert eventuell Tantiemen, ohne eine adäquate Gegenleistung erbracht zu haben.
Ja und irgendwann bin ich dann beim Christoph Moser gelandet, der einige Artists betreut und sehr froh war, dass ich eh schon so viel selbst organisiert habe.

Warum lief es damals, also vor fünf Jahren, als wir uns das erste Mal trafen, noch nicht so?
Damals hatte ich nur Airplay. Es gab keine Plakate, keine Gigs – und wenn dann nur die, die ich mir selbst aufgestellt habe. Es gab auch keine Release-Party. In Salzburg daheim habe ich zwar die Zeitungen angeschrieben, da ging es von selber: Salzburger Nachrichten, Antenne – die halfen mir, da hatte ich mein funktionierendes Netzwerk. Im Rest von Österreich aber wusste ich nicht Bescheid. Dementsprechend ging auch wenig bis gar nichts.

Jetzt hast Du aber nur vom Drumherum, aber noch gar nicht von der Musik gesprochen...
Ja, aber die hat ja damals wie heute funktioniert. Nur ist jetzt das Publikum breiter geworden, weil ich vieles akustisch, dh so, wie es tatsächlich auch live gespielt wird, aufgenommen habe und das spricht einfach viel mehr Leute, ob nun jung oder alt, an. Das erste Album war ein reines Studio-Album, jetzt ist der Sound live.

Das heißt: Bei der Aufnahme habt ihr den Grundsatz „Weniger ist mehr“ beherzigt.
Ich habe immer sehr viel live gespielt, auch alleine, wenn ich es mir von der Gage her nicht leisten konnte. Da hatte die Stimme viel Platz. Da dachte ich mir: Wenn das so gut funktioniert, dann sollte man ihr auch in anderen Besetzungen viel Platz einräumen. Die Rockbesetzung, mit der ich die letzten Jahre unterwegs war, hat sich aber einfach als auf Dauer viel zu kompliziert entpuppt. Irgendwann stellst Du dir da die Frage, wozu du das alles machst. Dann hab ich meinen Bassisten gefragt, ob er sich vorstellen könnte, auch Kontrabass zu spielen. Meinen Drummer hab ich gefragt, ob er mit Beserln spielen könnte, den E-Gitarristen, ob er nicht die Akustische spielen könnte. Den Keyboarder-Part hab ich übernommen und schon waren eine völlig neue Besetzung und ein völlig neuer Sound geboren.

Bist Du auf das alles selbst gekommen?
Auf vieles bin ich zufällig gekommen. Wenn dir dein Gitarrist einfach nie sagt, dass er singen kann, weil er ein bescheidener Mensch ist, kommst du auch nie auf die Idee, dass die Background-Sänger eigentlich umsonst sind und er doch den Part übernehmen könnte.

Das Abspecken hat sicher auch zur Entspannung beigetragen.
Klar, das war immer sehr kompliziert - organisatorisch und auch finanziell. Wenn du sieben Leute hast und jeder will 100 Euro, dann sind das 700. Die musst du erst einspielen...

Bei Pop, der nicht unbedingt auf Österreich fixiert ist, stellt sich immer die Frage, wie man raus aus Österreich kommt – ohne fette Marketingkampagne, für die wahrscheinlich nicht das Geld da ist.
Ich weiß schon, wie das möglich ist. Über myspace hat neulich etwa eine französische Presseagentur angefragt, ob ich für ein Interview zur Verfügung stünde. Zuerst dachte ich an einen Spaß, aber wir haben dann tatsächlich ein Interview in englischer Sprache geführt. Die Agentur hat dieses Interview in weiter Folge an 35 verschiedenen Medien verschickt, worauf sich dann gleich eine weitere Agentur meldete. Über myspace funktioniert das eigentlich ganz gut. Aber was, wenn die wollen, dass ich dort spiele? Hoanzl hat dort Vertriebskontakte, besser wäre es aber angeblich, dort direkt einen Vertriebsdeal zu erwirken.



Über Tour Support musst Du mir noch erzählen.
Das lief so: Ich wurde vom Musikfonds kontaktiert, dass ich beim Tour Support einreichen solle. Manuel Normal hat zu mir gemeint: Da füllst du deine zehn Gigs aus, machst eine genaue Kostenaufstellung und dann...

Dh Du musst schon zehn Venues davon überzeugt haben, dass sie dich spielen lassen?
Nicht unbedingt. Du musst zu den einzelnen Terminen dazu schreiben: Fix, nicht so fix etc. Bei uns war das sehr spontan. Ich kam just in dem Zeitpunkt zur Booking-Agency, als gerade das neue Album am Start war. Da war nichts von langer Hand geplant, sondern es ging alles sehr spontan. Ein Teil war fix, ein anderer nicht. Letztlich hab ich aber nur in Tirol nichts bekommen. Tour Support bekamen wir letztlich aber nur für die Gigs, die bereits fix fest standen. Insgesamt hab ich für zehn Gigs 4.000 Euro bekommen. Das ist zwar toll, nur leider kann ich die restlichen Gigs, die damals nicht feststanden, mittlerweile aber auch alle bestätigt wurden, nun eben nicht so spielen, wie ich es vorhatte. Fürs nächste Mal weiß ich, dass ich einfach zu spät dran war und nächstes Mal früher einreichen und einfach schauen muss, dass ich noch mehr fixe Termine habe. Enorm wichtig ist das Budget für Flyer und Plakate. Mir persönlich wichtig ist, dass die Musiker ganz normal bezahlt werden. Die sind ja auch keine zwanzig mehr. Wenn ich Musiker nicht zahlen kann, spiele ich lieber alleine. Ich muss jetzt erst mal meine Ausgaben wieder rein kriegen.

Wie? Durch live spielen?
Ja, und Airplay. Da ich den ersten im Radio gespielten Song selbst geschrieben habe, weiß ich, dass da irgendwann auch mal etwas von der AKM kommen wird. Dann war ich auf dem Kronehit-Sampler vertreten. Da geht also auch wieder was. Weißt Du, ich muss ja auch die Hälfte der CD-Produktion übernehmen.

Hast Du auch schon im Ausland schon gespielt?
Ja. In der Schweiz und In Deutschland. Da fällt mir eine lustige Episode ein: Ich hab oft im Cafe Carina gespielt – ohne Gage. Ich hab mir gedacht, das bringt´s trotzdem. Tut es auch. Irgendwann wurde ich einmal von einer Schweizer Veranstalterin aus Luzern angeschrieben. Die hatte mich im Carina gesehen und toll gefunden. Und in München hab ich auch schon gespielt. Da kannte mich niemand – es ging aber trotzdem recht gut.

Ist das nicht eigenartig, wenn dich niemand kennt?
Ich finde es fast besser so. Wenn es sehr viele bekannte Gesichter sind, trau ich mich nicht so ins Publikum reinzuschauen. Das lenkt ab.

Kannst Du mir Deinen Liedtext über Wien („Presence of Vienna“) erklären?
Den hab nicht ich geschrieben, sondern ein Fan, der mich hörte und mir dann einen Text geschrieben hat.

Du textest aber schon selbst auch, nicht wahr?
Ja. Butterfly zum Beispiel hab ich selbst getextet, dh ich schreibe selber, arbeite aber auch mit anderen Textern zusammen. Wenn es einen guten, fertigen Text gibt, nehme ich das gerne an.

Konkret ist der Text über Wien sehr, sehr positiv. Siehst Du das selbst genauso? Man sagt doch Salzburgern gemeinhin nach, sie hätten zu Wien oft ein eher gespaltenes Verhältnis.
Ich kenne viele Wiener, bin gern in Wien. Ich mag Salzburg, kann mir aber nicht vorstellen, wieder zurückzugehen, weil einfach zu wenig dort ist. Hier ist meine Band, hier sind mehr Veranstaltungsorte. Ich bringe hier einfach mehr weiter. Ich selbst hab ja immer am Land gelebt.

Wo genau?
In Kuchl und Hallein. Erst im Herbst 2003 – also relativ spät – bin ich nach Wien gekommen.



Wovon lebst Du?
Mich hat immer Werbung interessiert. Ich habe schon früh Spots besprochen und dann mit Musik unterlegt und das hat sich ganz gut etabliert. Das Sprechen hab ich nebenbei geübt, aber schnell gemerkt, dass ich eine Sprecherausbildung brauche, weil sonst mein Salzburger Dialekt zu stark rauskommt. Dann hab ich Sprechproben an Tonstudios verschickt und nach einem Jahr hat man mich in einem dieser Studios in einer Schublade gefunden. Mittlerweile bin ich bei Kronehit. Da hab ich viel dazu gelernt. Und einige Tonstudios rufen mich hin und wieder an. Das ist super für mich. Früher hab ich gekellnert, nur um mir meine Musik zu finanzieren. Mittlerweile halten mich die Sprecherjobs über Wasser. Erst neulich bekam ich einen Anruf, ob ich nicht die Stimme für den T-Mobile-Spot sein möchte. Und dann hab ich noch die Telefon-Schleife der AKM besprochen.

Nicht wahr.
Doch. Aber apropos Werbung: „Leaving Today“ wäre perfekt für einen Airline-Spot gewesen. Für den Start eines Flugzeugs....

Und „Presence of Vienna“ fürs Landen. Vielleicht könntest Du ein Paket schnüren, dann bliebe uns „I am from Austria“ endlich erspart. Ein anderes Thema, das mich interessiert, ist aber Dein Beitrag für den Soundtrack von „Spiele Leben“. Davon hab´ ich erst gestern zufällig erfahren.
Ja, eine tolle Sache. Das Video dazu gibt´s auf youtube zu sehen. Für Plus 4 hab ich ein Interview gegeben. Auf GoTV wurde es anfangs gespielt, dann leider nicht mehr. Da hab ich dann mal nachgefragt: Was muss man machen, damit man gespielt wird? Und es wurde mir beschieden: Die Plattenfirma muss sich melden.

Wenn es tatsächlich so ist, dann kann man nur sagen: Eigenartige Wechselwirkung. Und vor allem: Toll, dass es noch Redaktionen gibt, die sich mit Musik wirklich auseinandersetzen...
Anscheinend wird man da tatsächlich nur gespielt, wen die Plattenfirma Druck macht. Aber man kann es auch so sehen: Wenn einem das so gesagt wird, dann ist das wenigstens ehrlich und man weiß, woran man ist. Ich möchte mich um so etwas auch nicht kümmern müssen. Dazu hab ich ja eine Promo-Firma, die ich beauftrage. Ich ging aber auch immer davon aus, dass die Statements, österreichische Künstler würden speziell gefeatured, ernst gemeint sind. Eigentlich sind ja auch fm4 und Ö3 eine Familie.

Du sprichst ein großes Thema gelassen an. Es gab bis dato doch nur wenige Bands, die auf beiden Sendern liefen: Coldplay, Franz Ferdinand und die Red Hot Chili Peppers mit entschärftem Gitarrensolo.
Und Wir sind Helden anfangs...

Stimmt. Und Madita auch als einzige Österreicherin.
Mein Wunsch wäre, dass ich auf beiden Sendern mit jeweils unterschiedlichen Nummern gespielt werde.

Läufst Du denn nicht auf fm4?
Ich weiß nichts davon. Ich hoffe eben, dass sie sich einen anderen Song aussuchen und den spielen.

So kannst Du aber nie eine Single richtig groß machen.
Bevor sie gar nichts spielen... Viel bleibt ja nicht übrig. Radio Energy zum Beispiel spielt einfach nur R´n´B. Was soll ich dort? Vieles muss man selbst machen. Auch mein Konzert neulich im Salzburger Jazzit war eine Eigenveranstaltung. Ist mir auch lieber: Da weiß ich nämlich, dass es funktionieren wird.

Und wie viel zahlst Du für diese Eigenveranstaltung, wenn ich fragen darf?
500 Euro Saalmiete.

Vielen Dank für das Gespräch.

Foto Coshiva 1: Michael Strasser
Foto Coshiva 2,3,4: www.migglpictures.com


 
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